Vergangenen Freitag um 17 Uhr startete für mich das Star Wars: The Old Republic BETA-Wochenende. Pünktlich zum Start wurde noch ein finaler Patch geladen, dann konnte man loslegen. Auf allen Servern gab es eine Warteschlange. Die angegebene Wartezeit musste ich glücklicherweise nicht warten. Nach gut 20 Minuten Wartezeit kam ich das erste Mal auf den Server und konnte meinen Charakter erstellen. Zu Testzwecken wählte ich einen Kopfgeldjäger auf Seite des Imperiums. Als ich Sonntagnachmittag meine letzten Quest erledigte, war mein Charakter Level 16.
Bezüglich Gameplay und Questdesign wagen die Entwickler von Bioware keine großen Neuerungen. TOR spielt sich wie jedes andere MMO und die Aufgaben sind ziemlich 08/15. Sammel-, Kill- und Entdeckungs- Quests wechseln sich in genretypischer Manier ab. Womit sich TOR aus der Masse hebt, ist das Storytelling. Voll vertonte und synchronisierte Dialoge, in denen Questgeber uns auf die Reise schicken, sind etwas neues im Genre. Das Gut / Böse - Prinzip, bekannt aus den Bioware-Titeln, ist selbstverständlich ebenfalls enthalten. So war es auch auf Seiten des Imperiums möglich, die Quests auf dem guten Weg zu lösen. Ein Kopfgeldjäger mit Gewissen? Einer der nicht jeden Auftrag annimmt? Durchaus möglich. Das ganze Storytelling hat mir gut gefallen. Obwohl es irgendwann ermüdend wird, ausschweifenden Dialogen zu belanglosen Quests zu lauschen.
Schon in den Startgebieten gibt es Aufgaben, die man in der Gruppe lösen muss. Bei einem Spiel, das auf den ersten Blick das Solo-Spiel forciert, war ich darüber doch überrascht. Mitspieler zu finden und diese Quests zu erledigen war nicht schwer. Schließlich waren die Gebiete massiv überlaufen. Genauso unproblematisch war es Gefährten für den ersten Flashpoint zu finden. An Bord der Black Talon, stürzen wir uns in eine Schlacht gegen die Republik. Gruppenspiel wurde noch nicht wirklich verlangt, solange man den Schaden gemeinsam auf ein Ziel fokussierte, kam man unproblematisch voran. Auch in den Flashpoints bleibt TOR storylastig. Dialoge werden zu viert geführt. Jeder bekommt die gleichen Dialogoptionen, wer tatsächlich antworten darf, wird ausgewürfelt. Der erste Flashpoint hat mir schon gut gefallen, auch vom Design her. Wenn nun noch Gruppenspiel gefordert wird, kann es nur besser werden.
Viele Funktionen, mit denen TOR wirbt, konnte ich gar nicht oder nur oberflächlich ausprobieren. Handwerk ist komplett an mir vorübergegangen. Bevor ich an ein eigenes Raumschiff kam, musste ich mit einem gekaperten die Funktionen eines Raumschiffs testen. Damit ließ sich beispielsweise eine der Weltraumschlachten spielen, die TOR verspricht. Das Raumschiff wird dabei von unsichtbarer Hand gesteuert, man selbst feuert nur die Geschütztürme ab. Hat ein wenig was von Moorhuhn schießen, wird aber anständig präsentiert und ist zur Abwechslung sicherlich ganz nett. Inwieweit andere Spieler sich an diesen Raumschlachten beteiligen können, blieb mir ebenfalls verborgen. Es gibt also noch einiges bei TOR zu entdecken. Ich wäre auch enttäuscht gewesen, wenn ich an einem Wochenende alle Feinheiten des Spiels hätte aufdecken können.
Erstaunt war ich, dass die ganze BETA so gut funktionierte. Warteschleifen an allen drei Tagen sind verständlich, der Ansturm war sicherlich groß. Trotzdem hatte ich wenige bis gar keine Lags. Samstags ist es mir ein paar mal passiert, dass ich vom Server geschmissen wurde. Das ging eine Stunde lang so, den restlichen Abend konnte ich problemlos und ohne Abstürze weiterspielen. Soundtechnisch kann man bei TOR ebenfalls nicht meckern. Es gibt die bekannten orchestralen Star Wars Melodien und Soundsamples, die direkt aus den Filmen stammen könnten. Beides zusammen baut eine herrliche Atmosphäre auf. Mit der Grafik ist das so eine Sache. Die einen können dem Comic-Stil nix abgewinnen. Den anderen ist es egal. Ich gehöre zur zweiten Gruppe. Mich störte der Stil nicht, ich hatte im Vorfeld allerdings so meine Bedenken bezüglich der Details. Viele Videos und Screenshots sahen etwas detailarm aus. Den Eindruck einer gewissen Detailarmut konnte die BETA nicht widerlegen. Aber das fiel nicht so negativ auf. Die Schatten sind wirklich toll gemacht. Dazu wirkt die ganze Grafik wie aus einem Guss. Einige Landschaften sahen beinah so aus, als wären sie gemalt. Das hat seinen eigenen Charme und hat mir gut gefallen. Die Abwechslung in den Gebieten stimmte auch.
Star Wars: The Old Republic birgt ein ungeheures Potential, da bin ich sicher. Und doch bleibt ein Funke des Zweifels. Wird mich TOR genauso fesseln wie es Herr der Ringe Online über 2 Jahre lang getan hat? Muss es das überhaupt? Ich freu mich auf jeden Fall Ende Dezember loslegen zu dürfen.
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